Stardust-Oder das Handwerkzeug der RG-Konstruktion

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Moderator: Uwe

Stardust-Oder das Handwerkzeug der RG-Konstruktion

Beitrag: #1Beitragvon GER OK 712 » 11.07.2019, 17:48


Hallo Martin, Hallo RG´ler,

Heute möchte ich mit euch praktisch ein Modelboot konstruieren. Richtig die Anwendung üben.
Wir benutzen dazu ein Übungsmodell. Das ist sehr einfach gehalten. Wir haben dadurch wenige Daten zu bearbeiten. Und trotzdem zeigt es uns die Vorgehensweise.

Wir benötigen ein 2D-CAD Programm und FreeShip. In der Version 2,6 werde ich die Dateien erstellen.
Damit müßtet ihr auch mit den russischen Weiterentwickelungen und mit DelfShip die Datei öffen können.

Fangen wir an.

Skizze erstellen;
Seitenansicht, Draufsicht und Spantansicht.
Den Inhalt der Ansichten haben wir gestern besprochen.
Wir werden die Anordnungen der Ansichten zueinander in einer besonderen Art vornehmen.
Der kleine Trick ermöglicht es uns die Maßdaten in die einzelen Ansicht zu übertragen ohne Messen zu müßen. Das geht mit der Parallelverschiebung zeichnerisch.

Das Boot soll ein Knickspanter werden. Zwei Planken pro Rumpfseite.

Der Spiegel soll 3mm über der CWL anfangen und 40mm hoch sein.
Der Bug soll 65mm über der CWL hoch sein.

Breite des Rumpfes ca 120mm

Tiefster Punkt des Kielsprungs bei 260mm.

Bilder folgen........
Dateianhänge
Skizze.jpg
Anfangsskizze, Die Anordnung der einzelen Ansichten beachten.
Maßübergabe in die einzelen Ansichten durch Parallelverschiebung möglich.
Boot in der Seitenansicht.jpg
Ich habe den Kielsprung eingezeichnet. Begin am Spiegel 3mm über der CWL.
Tiefster Punkt bei 260mm. Endet am Bug Höhe CWL.

Spiegl nach den Vorgaben eingezeichnet.
Bug nach den Vorgaben eingezeichnet.

Seitlicher Decksprung mit negativer Kurve erstellt und eingezeichnet.

So sieht das Ergebnis aus.
Seite u Draufsicht.jpg
In der Ansicht von Oben habe ich die Breite des Spiegels festgelegt und die Kurve des Decksprunges gezeichnet.
Spant 325.jpg
Nun wird der Spant 325 und der Spiegel konstruiert.
Gut erkennbar der Kielsprung hat nicht den tiefsten Punkt am Spant 325.
Der Abstand zur Nullinie ist sichtbar. Auch wenn er nur sehr klein ist.
Spant 325 DS.jpg
Die Parallelverschiebung aus der Seitenansicht und Draufsicht ermittelt den Eckpunkt des Decksprungs am Spant 325.
Hir zu sehen.
Spant 325 kom.jpg
Spant 325 fertig konstruiert. Vorlageschema ist exakt eingehalten.
Skizze RG.jpg
Das ist die fertige Skizze unseres Bootes. Aus ihr können wir nun die Koordinatenwerte der Kontenpunkte entnehmen. Ein Übertrag nach FreeShip ist möglich.

Ich habe ein wenig geschlammt. Die Kimlinie habe ich nicht in die Draufsicht und Seitenansicht übertragen.
Eine kleine Übung für Euch?
Zuletzt geändert von GER OK 712 am 12.08.2019, 16:22, insgesamt 11-mal geändert.
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Re: Stardust-Oder das Handwerkzeug der RG-Konstruktion

Beitrag: #2Beitragvon GER OK 712 » 11.07.2019, 19:18


FreeShip:

Nun übertragen wir das Boot aus unserer Skizze in das FreeShip-Programm.
Wie schon erwähnt muß jeder Knotenpunkt des Modelliernetzes in FS mit der 2D-Skizze bestimmt werden.
Wir messen die X,Y,Z-Koordinaten in der Skizze aus. Und tragen die ermittelten Werte in FS ein.
Das Boot nimmt langsam die 3D-Form an.


Ihr werdet aus den hydrostatischen Daten unseres Bootes ersehen. Die Verdrängung stimmt überhaut nicht.
Das so gebaute Boot kann nur ca 500g tragen.
Nun geht die Nachbesserung loß. Tiefgang verändern? Boot Breiter gestalten? Andrere Spantform wählen?
Das ist die typische Arbeit eines Bootskonstrukteurs. Das Boot so anzupassen damit die Vorgabeparameter stimmen/eingehalten werden.
Die Arbeitsfolge die ich Euch gezeigt habe ist nur zum Üben und Erklären gedacht. Meine Arbeitsweise weicht davon ab.

Das Ergebnis unseres Bootes weicht von den Vorgabeparametern erheblich ab.
Es muß alles neu Konstruiert werden.
Ein Neuanfang ist nötig. Viel Arbeit? Wie Umgehe ich dies?

Ich beginne meißt in FS mit einer groben Vorkonstruktion. Verschiebe/Verändere diese solange bis meine
Vorgabeparameter stimmen. Damit erlebe ich keine Überraschung mehr in der weiteren Konstruktion.
Nun beginne ich mit der 2D-Skizze. Diese nutze ich Haupsächlich für das genaue Straken des Bootes.
In FS ist mir das Straken viel zu umständlich und ungenau. Besonders im 3D-Druck fallen diese
Fehler auf. (Beulen)
Dateianhänge
Neues Projekt in FS.jpg
So fängt in FS immer ein neues Projekt an.
Es weden die Anzahl der Kontenpunkte in der Längsrichtung und Breite bestimmt.
Und grobe Rumpfdaten festgelegt.
L6.5m B1.2m Tg0.35m zB
Angfangsmoddel in FS.jpg
Dann startet das Programm mit einer Beispielyacht.
Das sieht so aus.
Übung RG Knickspant.JPG
Unser erarbeiteter Knickspanter.
Übung RG Rundspant.JPG
Wandelt man die roten Kimlinien in weiche Linien um, haben wir einen Rundspanter.
Sieht auch nicht schlecht aus das Boot.
Übung RG 4 ansicht.JPG
Das ist die typische Arbeitsoberfläche von FS.
Vier Seitenansicht. Die drei Hauptansichten kennen wir schon von unserer Skizze.
Kommt noch eine 3D-Ansicht dazu.
Übung RG.l.fbm
Unser Boot FS 2.6
(23.39 KiB) 30-mal heruntergeladen
Straaken Gausche Kurvernansicht.JPG
Das Straken hat gut funktioniert. Im Prinziep ist der Rumpf gleichmäßig Rot gefärbt.
Nur am Bugbereich ist eine Beule nach innen. Blaue Färbung. Das liegt daran das ich die Kimlinie am Bug ungeschickt auslaufen lasse.
Ja ich gebe zu. Die wenigen Knotenpunkte machen solch ein Ergebnis einfach.
Hätte ich die 10 Spanten mit eingezeichnet sähe das Ergebnis nach der vorgeschlagenden Methode auch so aus.
Der Rumpf ist glatt und kann so für den 3D-Druck genutzt werden.
Im Übrigen FS hat einen STL-Export. Die Datei könnte man so an den Slicer schiken..........
Ok man muß noch das Deck schließen. Slicer benötigen immer ein geschlossendes Volumen um arbeiten zu können.
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Re: Stardust-Oder das Handwerkzeug der RG-Konstruktion

Beitrag: #3Beitragvon GER OK 712 » 11.07.2019, 20:39


FreeShip und STL-Datei:

Das Ansehen meines konstruierten Bootes im 3D-Fenster in FS ist toll. Aber das in der "Handhalten"
ist noch besser. Aus diesem Grunde nutze ich gern die Exportfunktion.
Ich exportiere eine STL-Datei meiner Konstruktion.
Übernehme diese in meinen Slicer. Dort scaliere ich das Boot auf 200mm herrunter und drucke dieses auf dem Spiegelstehend aus. Nun halte ich etwas in der Hand. Ein großartiges Gefühl. Selbst entworfen, gezeichnet
und nun halte ich mein Werk in der Hand..........
Das ist Modellbau, und darum macht mir das soviel Spaß.........

Ich zeige euch noch einige Probestücke ................

Müßt ihr ggf neues Filament ausprobierren? Oder einen Probedruck? Warum nicht einmal dieses Versuchsobjekt?
Dateianhänge
DSC00616.jpg
Meine RG-Aurora in verschiedenen Konstruktionszeitpunkten
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Re: Stardust-Oder das Handwerkzeug der RG-Konstruktion

Beitrag: #4Beitragvon RainerM » 12.07.2019, 07:26


Ja so mache ich das auch gerne.
Oftmals reichen mir auch Halbmodelle.

170617_Diverse.jpg
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Re: Stardust-Oder das Handwerkzeug der RG-Konstruktion

Beitrag: #5Beitragvon GER OK 712 » 12.07.2019, 07:33


Hallo Rainer,

tool zu sehen. Der Konstruktionsablauf Deines Modells. Oben der Konstruktionsbeginn,
und das unterste Boot ist bestimmt die Endfassung.
Ich sehe aber auch die konstruktive Leistung die Du vollbracht hast. Das Ausarbeiten hat Dir bestimmt Spaß gemacht?
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Re: Stardust-Oder das Handwerkzeug der RG-Konstruktion

Beitrag: #6Beitragvon RainerM » 12.07.2019, 11:07


Nein, das sind alles unterschiedliche Modelle von Rümpfen.
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Re: Stardust-Oder das Handwerkzeug der RG-Konstruktion

Beitrag: #7Beitragvon andyhoff » 14.07.2019, 14:19


Servus,

seitdem ich einen Drucker habe mache ich das auch gerne.
In der frühen Entwurfsphase reichen mir da Halbmodelle wie von Rainer gezeigt.
Irgendwann kommt inzwischen aber der switch vom grundlegenden Rumpfdesign in FreeShip zum 'richtigen' 3D-CAD. Hier kommen dann die Feinheiten im Deckslayout ..
Da drucke ich inzwischen sehr gerne ein 50% Modell. Dafür wird der Rumpf in der Mitte geschnitten. Da man jetzt sowieso im 3D-CAD unterwegs ist bereitet das keinen großen Aufwand mehr. Die beiden Hälften werden dann stehend auf dem Mittelspant im Vasenmodus gedruckt. Beide Hälften zusammengeklebt erhält man schon einen sehr guten Eindruck vom Boot mit den ganzen Details.
IMG_3540.png
Unten (weiß) manta2019 in 33% .. oben (grün) was neues in 50%

Diese Minimodelle sind richtig putzig und sehr dekorativ. Da könnten sich noch einige ansammeln.... :D
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Re: Stardust-Oder das Handwerkzeug der RG-Konstruktion

Beitrag: #8Beitragvon RainerM » 16.07.2019, 07:48


Ja Andy,
stimme ich dir zu, später mit dem selbst gebauten Drucker sind dann auch
500mm - Komplettmodelle im Vasenmodus möglich. Hier auch mal Sicken im
Deck zu sehen, hatte doch gegen starkes Beulen zu kämpfen. Bei detaillierten
Deckskonstruktionen wie in deinen Modellen beugt man dem gleich von vorn herein
vor.

JethRock_V2_500_1.jpg


JethRock_V2_500_2.jpg
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Re: Stardust-Oder das Handwerkzeug der RG-Konstruktion

Beitrag: #9Beitragvon GER OK 712 » 16.07.2019, 08:05


Hallo Rainer,

Dein selbstgebauter Drucker ist sehr Interessant. 500mm Druckhöhe? Toll..........
Möchtest Du ggf etwas darüber Erzählen? Deine Konstruktion erleutern?
Diese Art von Drucker hätte ich auch gerne nachgebaut........

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Re: Stardust-Oder das Handwerkzeug der RG-Konstruktion

Beitrag: #10Beitragvon GER OK 712 » 16.07.2019, 17:52


Weiter geht es mit diesen kleinen Konstruktionslehrgang.........

Wir haben nun eine Rumpfschale. Das Deck mit seinen Aufbauten muß nun überlegt werden.
Viele Möglichkeiten.
Wie soll das Deck aussehen. Glattes Deck? Die DF als Vorbild.
Das Vordeck erhöht? Ermöglicht Reserveauftrieb nach dem Abtauchen.
Ideen sind gefragt. Das Abschauen von anderen Booten eine gute Vorgehensweise.
Es muß nicht das "Rad" neu Erfunden werden.

Um ein funktionales Deck zu konstruieren müßen wir einige Aufbauten und deren Lage im Boot festlegen.
Wo steht der Maststuhl (Mast)? Wo ist die Einbauposition des Schwertkastens? Wo wird die Ruderachse
im Rumpf positioniert? An welcher Stelle ist der Zugang in das Innere?

Ihr habt mich erwischt. ----grins----- Diese Überlegungen sollten alle schon im Vorfeld gemacht sein.
Die Konstruktion eines Modellsegelbootes benötigt in der Praxis eine komlett andere Arbeitsreihenfolge.
Andy, hat das schon erwähnt. Er fängt immer in FreeShip mit der Konstruktion an.
Das mache ich auch so. Ich arbeite mit einer groben Vorkonstruktion.
Ist man in der Lage schon auf vorhandene Konstruktionen zurückzugreifen, können diese auch schon recht genau sein. Andy, hat von diesem "Glück" berichtet.

Ich brauchte eine Methode Euch die handwerklichen Grundkenntnisse in einen anschaulichen Weg zu zeigen.
Der 2D-Konstruktionsweg ist von den alten Bootsbaumeistern und unseren alten Modellbootbauern genutzt worden. Der Computer ist damals noch nicht Erfunden. Keine Anwenderprorgamme, die einem das Leben leichter machen.
Ein Modellbaufreund sagte einmal zu mir. Ich konstruiere gerade ein neues Boot. "Kästchenzählen" ist wieder angesagt. Er zeichnet alles auf Milimeterpapier. Und die Kästchen nutzt er zB um die Verdrängung zu ermitteln. Mühselig und Zeitraubend. Ging damals nicht anders.
Heute freue ich mich besonders über die Anwendungsprogramme, FreeShip und Co.
Dateianhänge
1.jpg
Das Deck und derern Aufbau einer RG die bei mir im Bau ist.
2.jpg
Das Vordeck mit Maststuhl der Aurora. Zugangsöffnung hinter dem Schwertkasten.
3.jpg
DF Vordeck.
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